Reifenpanne in Finnland

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Der Beitrag über unsere Reifenpanne in Finnland mitten in der Nacht und abseits jeglicher Zivilisation.

Das Horrorszenario schlecht hin. Nach Einbruch der Dunkelheit bemerkte ich einen platten Reifen. Vorher Stunden lang ohne jegliche Zivilisation durch die Landschaft gefahren, man schaut auf der Karte nach und sieht, das in der Richtung, in der man weiter fahren möchte, ebenfalls keine Zivilisation zu sehen ist. Dann weiß man, man hat praktisch den Pleiten- Pech- und Pannenjackpot geknackt.

Aber von Anfang an

Wir kamen gerade von Tromsø und wollten über Finnland zurück fahren. Wir waren schon eine Stunde lang aus Norwegen raus, als wir uns, mit Beginn der Dämmerung, auf die Suche nach einem geeigneten Platz zum übernachten machten. Die Dämmerung beginnt, nur mal so zur Info, dort oben um den 25. Oktober rum, bei dichter Bewölkung, so gegen 16:00 – 16:30 Uhr. Danach ist es praktisch schon fast finstere Nacht.

Irgendwann fand ich auf der Karte einen Parkplatz, abseits der Straße, der über einen Schotterweg zu erreichen war. Auf der Zufahrt, sagte Karin schon, das Ihr Bauchgefühl absolut gegen diesen Platz sprach. Und als wir diesen Parkplatz erreichten, kam mir das auch sehr komisch vor. Viele Autowracks, ein komischer Container in der Ecke des Platzes, zwei normale Autos, aber zugefroren, weit und breit kein Mensch. Erinnerte mich eher an den Film „From Disk till down“. Wir haben eine Regel, und die besagt, wir müssen uns beide wohlfühlen, ansonsten fahren wir weiter. Alleine Karin’s Bauchgefühl hat gereicht, aber schauen wollte ich schon mal, was wir verpassen. Letztendlich war auch mein Gefühl dem Platz gegenüber sehr skeptisch. Also umdrehen und weiter.

Der absolute Horror

Nachdem wir wieder auf der Straße waren, schauten wir, wo denn die nächste Gelegenheit kommen würde. Und dabei nach etwa einem gefahrenen Kilometer bemerkte ich, das irgend etwas nicht stimmte. Und da ich das schon mal mit einem Auto erlebt hatte, wusste ich ziemlich schnell, das wir einen platten Reifen vorne links hatten.

„Schatz, wir haben einen platten Reifen.“, kam automatisiert aus mir heraus geschossen und tausende Gedanken überschlugen sich gleichzeitig in meinem Kopf. Über eine Stunde mit knapp 100 km/h schon keine Menschenseele, Haus oder ähnliches gesehen. Eben auf der Karte, sah es in der Richtung, in der wir fahren, ebenso aus. Ab und zu knallten hier, mit ebenfalls 100 km/h, der ein oder andere LKW entlang. Keine Parkbucht. Was jetzt? 

„Nein, wir haben doch keinen platten Reifen.“, sagte Karin und holte mich zurück in die Horrorgleiche Realität. „Doch, definitiv, es wird gerade schlimmer.“ Und in dem Moment, spürten wir, das wir auf der Felge angekommen waren.

Warnblinklicht an, natürlich sind wir vorher schon langsamer geworden, und haben nun letztendlich angehalten.

Wir sind ausgestiegen und haben uns davon überzeugen können, das der Reifen platt war. 

Die Gedankenflut

Einen folgenlosen aber schweren Fehler haben wir hier direkt zu Anfang gemacht. Das würde uns nicht noch einmal passieren und deshalb erwähnen wir dies auch hier. Wir sind nicht direkt wieder eingestiegen und haben uns bzw. den Wagen in Sicherheit gebracht. Das hätte böse enden können und zwar trotz Warnblinklichter und Warndreieck. Aber dazu später mehr.

Wir waren erst einmal mit unserer Gedankenflut und den Lösungsansätzen beschäftigt. Natürlich habe ich schon mal einen Reifen gewechselt, aber noch nie von so einem großen Wagen (3,5 t). Von daher kam für mich bzw. uns, dann ziemlich entspannt der ADAC in Betracht, bei dem wir schon Jahre lang Mitglied sind und auf dessen Hilfe wir jetzt setzen werden.

Gesagt, getan. Und schon riefen wir die Pannenhilfe vom ADAC an.

ADAC erster Teil

Telefonat mit ADAC
Telefonat mit dem ADAC

Der Mann vom ADAC den ich erreichte, war sehr freundlich und stellte mir die Standardfragen.

Er „Wo sind sie?“
Ich „In Finnland. Auf der E8. Wir sind vor über einer Stunde von Norwegen nach Finnland reingefahren und fahren praktisch an der Norwegisch/Finnischen Grenze entlang, um so nach Schweden zu gelangen.“
Er „Wo genau sind sie.“

Tja, das wars dann erst einmal, keine Kilometersteine, Schilder, nichts, nur eine Straße und rechts und links Bäume.

Dann kam eine Frage, die mich wieder so etwas von wach gerüttelt hat.

Er „Stehen Sie sicher?“
Ich „Wie, sicher?“
Er „Ja, stehen Sie in einer Parkbucht, auf einem Seitenstreifen oder ähnliches. Oder stehen Sie noch auf der Straße?“
Ich „Ich stehe noch auf der Straße.“
Ja und da fing ich erst an darüber nachzudenken. So etwas hat man natürlich nicht alle Tage.
Er „Bitte fahren Sie sofort weiter, egal was mit dem Reifen und der Felge passiert. Rufen Sie wieder an, wenn Sie sicher stehen. Viele tödliche Unfälle passieren leider genauso. Trotz Absicherung der Panne.“

Ja und das haben wir auch sofort gemacht. Leuchtet ein und zukünftig wird uns das nicht nochmal passieren. Nachdem wir den Schaden gesichtet haben und auch feststellen konnten, das wir trotzdem weiterfahren können, werden wir zukünftig uns bzw. den Wagen in Sicherheit bringen.

Wir haben gedacht, es zerfetzt uns den Wagen

Wer schon mal mit einem platten Reifen weiter gefahren ist, der weiß was wir jetzt berichten werden. Wir sind mit eingeschalteten Warnblinkern ganz langsam weitergefahren. Aber nach einiger Zeit, war alles so sehr am rappeln, das wir schon dachten, da geht noch mehr kaputt. Und nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir die lange ersehnte Nothaltebucht. In dem Moment, wo wir sie erblickten, viel uns ein Stein vom Herzen, weil die Erschütterung durch den kaputten Reifen, dermaßen groß war und wir nun wussten, gleich ist es vorbei.

ADAC zweiter Teil

Nun riefen wir wieder die gelben Engel an und hatten leider nicht mehr die geballte Kompetenz am Apparat, sondern eine eher schlecht geschulte Mitarbeiterin. Mit unserer Beschreibung, wo wir waren, konnte sie gar nichts anfangen. Dann hatten wir eine Idee. Karin hatte ja mittlerweile Fotos gemacht und dort kann man den Ort erkennen und sogar Koordinaten ablesen. Mit dem Ort konnte die Dame immer noch viel anfangen bzw. sie fand ihn nicht und die Koordinaten führten sie nach Russland. Nach 10 Minuten, wusste sie immer noch nicht wo wir waren. Dann holte sie sich den Kollegen zu Hilfe, den wir als erstes am Telefon hatten und der konnte mit den Koordinaten exakt bestimmen wo wir sind. Learning by Doing, beim ADAC, warum soll es da anders sein, als bei uns auf der Arbeit.

Dann informierte sie das Team in Finnland, das uns dann helfen sollte. Sagte uns aber auch, das wir daran denken sollten, das bis zu 300 € alles übernommen wird. Sie verabschiedete sich und teilte uns mit, dass sich gleich jemand melden würde.

Die Wartezeit

Überbrücken der Wartezeit
Überbrücken der Wartezeit

Die Wartezeit wollten wir mit ein wenig Zeitersparnis verbringen, in dem wir schon mal das Ersatzrad bereit stellen, damit die herbei kommende Hilfe auch direkt loslegen kann. Wir machten uns mit dem Mechanismus vertraut und es gelang uns spielend einfach das Ersatzrad abzulassen, zu entsichern und neben das defekte Vorderrad zu rollen. Dann gingen wir in unseren Hightower und machten uns einen Tee.

Aus Kostengründen abgelehnt

Dann kam der ersehnte Anruf und wir sprachen auf Englisch die Details durch. Also es waren von der Hilfe bis zu uns etwa 88 km. Ob wir ein Ersatzrad hätten, was ich bejahen konnte und ob wir ihr die Freigabe für eine höhere Rechnung erteilen würden, da die 300 € definitiv nicht ausreichen würden.

Häh? Moment Mal. Wie die reichen nicht aus? Wie teuer wird es denn? Für wieviel müsste ich denn am Telefon die Freigabe erteilen?

Also mindestens das doppelte.

Häh? Moment Mal. Wie das doppelte? Wie teuer wird es denn genau? Sie wissen schon, das wir das Ersatzrad schon besitzen und es vor Ort liegt?

Genau kann sie das nicht sagen, aber für mindestens dass doppelte müssten wir jetzt die Freigabe gebe, sonst kommt niemand zu uns raus gefahren.

Ok. Dann nicht. 600 € mindestens für einen Reifenwechsel, waren wir nicht bereit auszugeben, zumal das schlimmste, den Ersatzreifen herunter zu lassen, wir bereits hinter uns hatten.

Nein, dann lieber nicht. Vielen Dank und einen schönen Abend noch.

Der Reifenwechsel

Der Reifenwechsel, gestaltete sich, wie man es sich vorstellt oder bereits erlebt hat, ziemlich einfach. Wagenheber, an die dafür vorgesehene Aufnahme, ansetzen und ein wenig hochdrehen, bis der Reifen sich anfängt zu heben. Dann kurz die Schrauben anlösen und anschließend den Wagenheber ganz hochdrehen, so dass der defekte Reifen in der Luft hängt. Schrauben ganz lösen und Reifen abnehmen. Durch das Ersatzrad ersetzen, gegebenenfalls den Wagenheber noch ein Stück höher, damit der Reifen auch passt. Dann die Schrauben mit der Hand über Kreuz handfest anziehen. Dann kurz mit dem Radkreuz oder ähnlichem die Schrauben anziehen. Wagenheber soweit ablassen, das der Reifen den Boden berührt, aber noch nicht die ganze Last darauf ruht. Nun die Schrauben ganz fest ziehen. Vorzugsweise mit dem richtigen Drehmoment, den passenden Drehmomentschlüssel haben wir alle natürlich immer dabei. Also fest anknallen die Schrauben.

Hier der Reifenwechsel in Bildern, den wir dann nochmal zu Hause durchführen mussten.

(So machen wir es, keine Garantie auf Vollständigkeit und wir können auch keine Haftung übernehmen, wenn Ihr es so macht und bei Euch geht etwas schief. Im Zweifel lieber die mindestens 600 € berappen.
Das man so etwas mittlerweile Schreiben muss, um sich abzusichern, ist an sich schon ein Witz, aber egal. Dabei will man nur helfen, aber so ist sie, die heutige Zeit.)

Falscher Luftdruck

Nachdem wir dann alles wieder verstaut hatten, kümmerten wir uns nochmal um das frisch montierte Ersatzrad. Und obwohl unser Wagen zu dem Zeitpunk der Reifenpanne erst 16 Monate alt war, hatte das Ersatzrad zu wenig Luft, nicht viel, aber zu wenig. Wir waren allerdings ausgerüstet. Wir hatten einen 12 Volt Kompressor dabei, der im Nachhin gesehen absoluter Schrott ist und das sollte sich genau jetzt zeigen. Wir schlossen also den Kompressor an dem Zigarettenanzünder an und wollten mehr Luft in den Reifen bekommen. Nach ein paar Sekunden tat sich allerdings nichts mehr. Auf der Fehlersuche probierten wir eine andere 12 V Steckdose aus und siehe da, er lief. Allerdings auch nur ein paar Sekunden. Naja egal, das Schrottteil wieder eingepackt und die Fahrradhandpumpe ausgepackt. Den Druck konnten wir ablesen, aber damit den Druck anheben ging praktisch gar nicht. Also weiterfahren. In circa 88 km hätten wir vielleicht eine Tankstelle, wo wir Luft bekommen würden, viel fehlt ja nicht. Als wir losfuhren bemerkten wir, dass das iPad, das wir zur Navigation benutzen, nicht mehr geladen wurde. Und sofort kam uns der Gedanke, das der Kompressor die Sicherung gekillt hat. Und als wir auch die andere Steckdose überprüften, war der Gedanke zu Gewissheit geworden. Auch hier war kein Strom mehr drauf. Durch unsere Erfahrungen mit dem Wohnwagen hatten wir aber vorsorgen können. Wir hatten Sicherungen dabei. Wir ersetzen die beiden 15 A Sicherungen und fuhren langsam weiter.

ADAC dritter Teil

Immer noch ein wenig wütend auf den ADAC rief ich nochmal an, um unseren Unmut über die Situation loszuwerden und mitzuteilen, das wir es alleine geschafft haben. Der kompetente Mitarbeiter aus unserem ersten Telefonat erklärte uns dann die Situation mit den verdammt hohen Löhnen in Skandinavien. Das die 300 €, die der ADAC immer übernimmt, in Deutschland sicherlich für einen Reifenwechsel gereicht hätten und in Südeuropa, wären wir nur knapp drüber gewesen. Zufrieden hat uns das nicht gestellt, aber es war eine mögliche Erklärung.

Die Tankstelle

In den erwarteten 88 km erreichten wir tatsächlich eine Tankstelle, die mittlerweile geschlossen hatte. Doch war die Luftstation noch zugänglich. Also füllten wir die Luft auf, aber nur um dabei festzustellen, das das Manometer nicht funktionierte. Also nach Gefühl, wenn man das so sagen kann, denn am nächsten Tag stellten wir an einer funktionierenden Luftstation einer anderen Tankstelle fest, das wir auf 6 Bar aufgerückt hatten. Und nicht wie empfohlen auf 5,5 Bar. Das war jetzt nicht schlimm, aber hätte durchaus schlimmer werden können.

Neues Ersatzrad besorgen

Natürlich haben wir uns direkt auf die Suche nach einem neuen Reifen gemacht. 165 € günstigster Preis bei Idealo plus Stahlfelge. Wow.

Glücklicherweise fand Karin bei Ebay Kleinanzeigen jemanden, der sein Ersatzrad verkaufen wollte. Für 99 € Verhandlungsbasis, gleicher Reifentyp (Allwetterreifen) und gleiches Baujahr. Super, fairer Preis, und dennoch konnten wir ihn letztendlich für 85 € erwerben. Marl lag sogar auf unserer Rückreiseroute, so dass wir ihn auf unserem Rückweg aus Skandinavien abholen konnten.

Als wir den Reifen abgeholt haben, fragte zum Schluss der ehemalige Besitzer, warum wir denn unbedingt ein Ersatzrad haben möchten, er wäre froh, das er die 30 kg Zusatzgewicht nicht mehr am Wohnmobil kleben haben würde, da es sowieso schon knapp mit der 3,5 t Grenze wäre und er dafür lieber mehr Gepäck mitnehmen würde wollen.

Dann erzählten wir ihm unsere Geschichte.

Der einzige Kommentar nach einer langen Sprachlosen Phase: „Meine Frau, wollte das Dingen loswerden.“

Unsere Learnings

Hier ein kurzes Video, von der Situation der Reifenpanne und einigem was diese nach sich zog.

Als wichtigstes nehmen wir mit, wie schon oben angesprochen, das wir, wenn das Auto noch fahrbereit ist, uns und natürlich das Fahrzeug in Sicherheit bringen, damit es nicht zu einer Gefahr für uns und andere wird.

Das zweite für uns ebenso wichtige ist, das wir, auch wenn die 30 kg für das Ersatzrad schon recht viel sind, immer eins dabei haben werden. Denn auch wir hatten vor der Reifenpanne darüber nachgedacht, das Ersatzrad aus Gewichtsgründen in die Garage zu stellen. Der Gedanke hat sich also für uns zukünftig ein für allemal erledigt.

Sicherungen* dabei zu haben, ist ebenfalls das A und O. Es kann immer mal eine Sicherung durchbrennen und wenn dann keine zur Hand ist, hat man vielleicht noch ganz andere Probleme.

Und zu guter letzt, haben wir nach einer besseren Möglichkeit gesucht, Luft nachzutanken. Dabei hat uns das Handling an den Tankstellen ebenso gestört, wie die Tatsache, dass der bereits vorhandene Kompresser Schrott ist bzw. uns auch noch die Sicherungen zerschossen hat.

Wir haben lange gesucht und bis jetzt auch einiges getestet.

Für uns haben wir nun folgende Lösung gefunden, von der wir und unsere Familie mittlerweile so begeistert sind, dass wir sie Euch hier vorstellen wollen. 

Reifendruck kontrollieren
Jetzt unsere erste Wahl, die Zipper ZI-LPE18 Akku- Luftpumpe

Die Zipper Akku Luftpumpe*. 

Der absolute Hammer, selbst meine Kinder pumpen jetzt ihre Fahrräder selber auf. Meine Mutter kann selber ihren Wagen kontrollieren und für unsere Fahrräder im Urlaub hatten wir bisher immer eine schweißtreibende Handpumpe dabei, die dann jetzt auch zu Hause bleiben kann.

Und nein, wir werden nicht dafür bezahlt, das wir dafür Werbung machen. Und wir haben das geniale Teil selbst bezahlt.

Selbst mein Arbeitskollege, der meine Recherche mitbekommen hat, hat sich direkt einen mit bestellt. Er braucht ihn für seinen Wohnwagen, der in einer Halle steht, damit er vor Fahrantritt die Luft kontrollieren kann. Aber auch er ist restlos begeistert.

*Der Text enthält Affiliate Links

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